Artenschutz in Österreich

Je mehr Ausnahmen gemacht werden, desto eher werden sie zur Regel. Dieser Trend lässt sich in Österreich gut beobachten. Anstatt art- und tiergerechte Möglichkeiten zu finden, mit Auswirkungen der natürlichen Tierwelt auf Menschen und menschliches Eigentum, umzugehen, wird erleichternder Weise einfach Arten- und Tierschutzbestimmungen übergangen oder sogar geändert.
Artenschutz- bzw. tierschutzgemäße Maßnahmen sind natürlich mit mehr Aufwand verbunden – sogar mehr als ein Gesetz zu ändern – und erfordern ein gewisses Maß an Bewusstsein für die eigene Mitwelt, die über den eigenen Egoismus hinausgeht (was für einige bereits unvorstellbar großer Aufwand ist).

Beispiel Ziesel

In der Wiese beim Heeresspital in Stammersdorf gibt es noch ein Vorkommen von Ziesel, deren Anzahl inzwischen gesunken ist. Das wurde als Anlass genommen, die Baupläne für neue Wohnungen auf der Zieselwiese im Oktober 2015 zu genehmigen. Verantwortlich dafür ist, unter anderem, die Umweltstadträtin Ulli Sima, die sich damit eindeutig gegen ihre Umwelt entschieden hat. Obwohl es zahlreiche leerstehende Wohnungen in Wien gibt, hat sich die SPÖ ausgerechnet für ein Gebiet entschieden, in dem es eines der letzten Zieselvorkommen in Österreich gibt. Um die restlichen Ziesel von dem Gebiet zu verjagen, ist nun geplant, den Oberboden abzutragen, wenn sie aber nicht weichen wollen, werden die Pläne weiterhin ausgeführt.
Am 3.April fand eine Demo für den Schutz der Ziesel beim Heeresspital statt.
SprecherInnen des Wiener Tierschutzvereins, FPÖ, Grüne, ÖVP, Neos und RespekTiere, und TeilnehmerInnen vom VGT unterstützten das Anliegen für konsequenten Artenschutz.
Dennoch wurde am 11.April mit dem Oberbodenabtrag begonnen, woraufhin sich ebenfalls ca 100 AktivistInnen (hauptsächlich von IGL Marchfeldkanal) vor Ort versammelten und eine Anzeige nach §181f StGB einbrachten, nach dem geschützte Arten nicht beeinträchtigt werden dürfen. Die Arbeiten wurden aber nur für einen Tag durch den Protest gestoppt.

Obwohl wir manchmal etwas nicht erreichen können, ist es unglaublich wichtig, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass sich die Öffentlichkeit FÜR Umweltschutz, Artenschutz, Tierschutz, etc. einsetzt und sich nicht unterkriegen lässt. Nur so haben wir eine Chance, solche Verstöße gegen Gesetze oder moralische Prinzipien zukünftig zu verhindern.

Beispiel aus OÖ: Krähenvögel

Rabenkrähen und Elstern sind wesentlich verbreiteter als Ziesel, waren aber als Singvögel bisher vor Abschüssen geschützt. Am 1.April 2016 ist aber eine Änderung des oö Artenschutzgesetzes in Kraft getreten, die es erlaubt 23.000 Rabenkrähen und 2500 Elstern jährlich zu erschießen – wir erwartet fiel der Beschluss hinter verschlossenen Türen.
Am 9.April fand deshalb eine Artenschutzdemonstration von VGT, RespekTiere und Pro-Tier gegen den Massenabschuss von Krähenvögeln statt.

Krähenvögel zeichnen sich durch ihre große kognitive Kapazität aus und haben auch einen ausgeprägten Familiensinn. Ein Krähenpaar verteidigt für gewöhnlich ein Revier vor Jungkrähen, doch wenn das Krähenpaar stirbt (bzw erschossen wird), rücken Junggesellengruppen von Krähen an und besiedeln das Gebiet. Die Sinnhaftigkeit dieser extremen Maßnahme ist also fraglich, was wahrscheinlich zu der Entscheidung geführt hat, dass Junggesellengruppen das ganze Jahr über erschossen werden dürfen. Um dem „Krähenproblem“ entgegenzuwirken wird also entweder ein viel weitreichenderer Abschuss benötigt (wenn das denn mit dem eigenen Gewissen vereinbar wäre) oder sinnvoller Weise eine Behandlung des eigentlichen Problems: Krähen profitieren von der intensiven Landwirtschaft, zu der besonders Futtermittelanbau für sogenannte Nutztiere beitragen (3/4 der gesamten Fläche).

Krähen sind aber nicht die einzigen Opfer der Intensivlandwirtschaft für Futtermittelanbau – natürlich Vorkommende Arten schwinden durch der Verlust des eigenen Lebensraums, Artengemeinschaften ändern sich drastisch, in Böden und Gewässern landet ein Übermaß an Nährstoffen, die auch dort dazu führen kann, dass sich wenige dominante Arten durchsetzen und andere aussterben…

Anstatt also immer mehr Bestandteile von Natur und Artenwelt zu zerstören, abzuschießen und zu töten, ist es dringend notwendig, die Ursachen zu behandeln, was sowohl Politik, Wirtschaft, als auch Konsumenten/BürgerInnen mit einschließt.

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