Tierversuche

Alle drei Minuten stirbt in Österreich ein Tier in einem Tierversuch.

2010 waren das mehr als 187.000 Wirbeltiere.

Die meisten Tiere, die für wissenschaftliche Experimente leiden und/oder sterben sind in dieser Zahl allerdings noch nicht erfasst, denn Versuche an Tieren, die bereits vor dem eigentlichen Versuch getötet wurden sowie Versuche an wirbellosen Tieren gelten nicht als Tierversuche. Weiters werden weitaus mehr Tiere gezüchtet als benötigt werden um diese jederzeit verfügbar zu haben. Bei Ratten und Mäusen liegt dieser „Ausschuss“ bei über 80%.

Nagetiere (Mäuse und Ratten) und Kaninchen sind es auch, die am häufigsten für Tierversuche verwendet werden – da sie sich schnell vermehren und leicht zu halten und zu züchten sind. Aber auch viele andere Tierarten werden in Tierversuchen eingesetzt, zum Beispiel 11.000 Affen oder 31.200 Hunde und Katzen alleine in der EU. 30% der Hunde und Katzen stammen aus Streunerpopulationen und 45% der Affen wurden in der Wildnis gefangen.

Auch ohne Versuche ist die Haltung der Tiere mit Leiden verbunden. Ihr Leben verbringen sie meist in kleinen, strukturlosen Käfigen, aus denen sie nur für die Versuche geholt werden. So müssen zum Beispiel Ratten in der Regel in winzigen Kunststoffkästen leben in denen sie sich nicht einmal aufrichten können. Diese Kästen sind rundherum durchsichtig und es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten. 2/3 einer A4-Seite stehen einer erwachsenen Ratte im Versuchslabor laut Gesetz zum Leben zur Verfügung, 1/6 ist es für eine erwachsene Maus.

Auch Kaninchen, die in der Natur in Gruppen mit engen sozialen Bindungen leben und zu deren Grundbedürfnissen neben Sozialkontakten die Möglichkeit zu Laufen, zu Nagen und zu Graben gehört, werden im Labor in kleinen Käfigen (1 ½ A4-Seiten Bodenfläche steht ihnen nach dem Gesetz zu) ohne Einstreu und Beschäftigungsmaterial gehalten, wo sie – häufig in Einzelhaltung – nur darauf warten können, für den Versuch oder die Tötung herausgeholt zu werden. Nicht einmal die Fütterung bringt den Tieren Abwechslung, denn sie besteht aus normierten Pellets, die dem Nagetrieb der Tiere in keinster Weise entsprechen.

Wenn die Tiere die Versuche an ihnen überleben, werden sie im Anschluss daran getötet.

Rund ein Drittel der Tierversuche wird für die Grundlagenforschung gemacht, sie haben also keinen konkretes Forschungsziel sondern dienen einfach dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Ein weiteres Drittel dient der medizinischen Forschung während das letzte Drittel zur Prüfung von chemischen Substanzen (zb. Chemikalien oder Kosmetika) dient.

Wie solche Tierversuche ablaufen hat Animalfair am Beispiel einiger klassischer Tierversuche skizziert: Ablauf einiger klassischer Tierversuche

Sicherheit und medizinischer Fortschritt durch Tierversuche?

92% der Medikamente, die im Tierversuch erfolgreich waren, kommen nie auf den Markt, weil sie beim Menschen wirkungslos oder gefährlich sind. Trotzdem sind Nebenwirkungen von Medikamenten die 5.häufigste Todesursache in Österreich. Umgekehrt kommen möglicherweise lebensrettende Medikamente nicht auf den Markt, weil sie beim Versuch an anderen Tierarten nicht die erwünschte Wirkung zeigten.

Nicht nur die Tatsache, dass die Ergebnisse unterschiedlicher Tierarten nicht aufeinander übertragen werden können, spielt dabei eine Rolle. Um menschliche Krankheiten an anderen Tieren zu erforschen, wird versucht, dementsprechende Symptome bei den Tieren hervorzurufen (zb. Genmanipulation  um Tumorwachstum zu erzeugen, „künstliches“ Herbeiführen eines Schlaganfalles, Zwangsfütterung zur Hervorrufung von „Alkoholsucht“ uvm.). Diese Herangehensweise lässt aber die tatsächlichen Ursachen für die jeweilige Krankheit völlig ausser Acht. Dazu kommt, dass die Haltungsbedingungen selbst in den Labors die Versuchsergebnisse stark beeinflussen (zb. Schwächung des Immunsystems).

Dass medizinischer Fortschritt nicht von Tierversuchen abhängt zeigen auch Medikamente, die ohne Tierversuche entwickelt wurden, wie z.B. Aspirin.

Alternativen zu Tierversuchen

Zellkulturen, Tests auf Erbgutschäden bei Bakterien, Hefen oder Pollen, Organsysteme auf Microchips und Computersimulationen sowie klinische Studien und Epidemiologie können Versuche an Tieren zb. ersetzen. In Linz gibt es mit dem ZET (http://www.zet.or.at) ein eigenes Zentrum, das sich mit Ersatzmethoden zu Tierversuchen beschäftigt. Obwohl Ersatzmethoden eigentlich deutlich günstiger, schneller und zuverlässiger als Tierversuche sind hemmt der hohe zeitliche und finanzielle Aufwand für die Zulassung (rund $ 300.000,–) die Entwicklung von Alternativen,. Erschwerend kommt hinzu, dass die Methoden mit Ergebnissen aus Tierversuchen – anstatt mit Daten aus der Humanmedizin – verglichen werden, obwohl die Ergebnisse von Tierversuchen bekannterweise ungenau, nicht verlässlich reproduzierbar und nicht auf die Situation beim Menschen übertragbar sind.

 

„Entweder ist das Tier nicht wie wir, dann gibt es keinen Sinn, mit ihm zu experimentieren, oder es ist wie wir, dann gibt es kein Recht, mit ihm Versuche zu machen, die als empörend betrachtet würden, wenn man es mit einem von uns machte.“ (Gisela Grothe)

Linktip: Verbrauchersicherheit durch Tierversuche?

Quellen: Verein gegen Tierfabriken, http://www.zet.or.at, http://www.versuchstier-des-jahres.de/2009/kaninchen-im-labor.htm, http://www.versuchstier-des-jahres.de/2008/

 

2 Responses to Tierversuche

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