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Der Mythos vom bösen Palmöl

Oder: warum kein Palmöl auch keine Lösung ist

Palmöl, nach einhelliger Lesart das Öl des Teufels. Gegen Palmöl zu sein gehört einfach zum guten Ton. Das liegt vor allem darin begründet, dass die Medien dieses Thema immer wieder auf die Bühne heben, allerdings meist ohne jegliches Hintergrundwissen zu vermitteln. So kommt in kaum einer Meldung zu dem Thema zur Sprache, dass die Palmölpflanze die mit Abstand ertragsreichste Ölpflanze ist. Auf den Hektar gesehen sind die Zahlen des Ertrages wie folgt:

  • 3,69 Tonnen Palmöl
  • 1,33 Tonnen Rapsöl
  • 0,86 Tonnen Sonnenblumenöl
  • 0,77 Tonnen Kokosöl
  • 0,52 Tonnen Sojaöl

Quelle: WWF

Mit anderen Worten: andere Öle wie Soja- oder Kokosöl verbrauchen bis zu 7 (!) mal mehr Landfläche. Das sollten all jene berücksichtigen, die meinen Kokosöl sei ja so viel besser als Palmöl, wenn es um die Umweltverträglichkeit geht. Dem ist nicht so, es verhält sich sogar genau umgekehrt.

Wie man sieht, so einfach kann man Palmöl nicht verteufeln bzw. ersetzen, ohne dabei noch wesentlich mehr Landflächen zu roden. Aber warum muss überhaupt gerodet werden? Ganz einfach: weil keine Anbauflächen mehr zur Verfügung stehen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: die weltweiten Anbauflächen werden in großen  Teilen für den Anbau von Tierfuttermitteln verschwendet.

Verschwendet deswegen, weil die „Umwandlung“ der pflanzlichen Kalorien in Fleischkalorien mit erheblichen Verlusten einher geht. Man spricht von bis zu 30 pflanzlichen Kalorien, um damit eine Fleischkalorie zu erzeugen. Würde man die Tierfutteranbauflächen komplett für die Erzeugung von pflanzlichen Produkten (und somit auch Ölen) einsetzen, könnten damit bis zu 4 Milliarden Menschen mehr ernährt werden. (Quelle: Top Agrar) Damit wären dann auch wieder genug Flächen frei, um eben Ölpflanzen wie die Palmölpflanze anzubauen, ohne dafür Regenwälder roden zu müssen.

Das alles sollte bei der Palmöldiskussion berücksichtigt werden. Es sollte in dieser Diskussion also nicht so sehr um die Palmölpflanze gehen, sondern darum, warum für sie und andere Ölpflanzen keine Anbauflächen zur Verfügung stehen, also warum wir die Flächen für Tierfuttermittel verschwenden. Von den weiteren Auswirkungen der von diesen Futtermitteln versorgten Massentierhaltung auf Böden & Gewässer, Gesundheit der Menschen, Klima etc. noch gar nicht gesprochen. All das sollte in diesem Kontext ebenso berücksichtigt werden.

Klimawandel – 51 Prozent aller Treibhausgase durch Fleisch- und Milchproduktion

Wissenschaftler des renommierten World Watch Institutes kommen  zu dem Schluss, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung für den Großteil, nämlich knapp 51 Prozent (!) der ausgestoßenen Treibhausgase und somit für den Klimawandel hauptverantwortlich ist (Link), und nicht wie bislang von der FAO angenommen ca. 20 Prozent.

Das ist mehr als die von der Energiewirtschaft und vom gesamten Transportwesen ausgestoßenen Treibhausgase insgesamt!

wwi

Folgende Annahmen liegen hier zugrunde:

  • Fischaufzucht in Aquakulturen wurde bei den FAO Berechnungen nicht einbezogen.
  • Die Treibhausgase, die bei der Errichtung der Gebäude für die Aufzucht der Tiere entstehen, wurden nicht berücksichtigt.
  • Die Energie, die für die Kühlung und Erhitzung von Fleisch erforderlich ist, wurde ebenfalls nicht einkalkuliert.
  • Die CO2-Effekte der industriellen Produktion von wachstumsfördernden und krankheitshemmenden Medikamenten für die Tierhaltung sind in den FAO Berechnungen ebenfalls nicht enthalten.
  • Die FAO hat ihre Berechnungen der Fleischproduktion auf der Datenbasis aus dem Jahr 2002 gemacht. Die Zahl der weltweit gezüchteten und geschlachteten Tiere ist inzwischen wesentlich höher anzusetzen als es die FAO angenommen hat.
  • Auch die Emissionen von tierischen Abfällen (Knochen, Gülle usw.) sowie Nebenprodukte (Leder, Federn etc.) sind von der FAO in ihre Berechnungen kaum einbezogen worden.
  • Die Abholzung von Regenwäldern, um Weideland einerseits für die Tierhaltung und andererseits für die Produktion von Viehfutter zu gewinnen, ist teilweise, aber nicht ausreichend berücksichtigt worden.
  • Ein neuer Aspekt dieser Untersuchung ist, die Atmung der Tiere einzubeziehen. Bislang war es üblich, ausschließlich die Veränderung des gespeicherten Kohlenstoffs zu berücksichtigen. Es dürfte aber eine weitaus korrektere Betrachtungsweise sein, auch die Auswirkungen mitzurechnen, dass Milliarden Tiere nur als Nahrungsmittel gezüchtet werden.
  • Methan und vor allem Lachgas ist wesentlich klimaschädlicher als CO2 und zwar mit einem Faktor von etwa 25 (Lachgas sogar 298!). Zusätzlich wirken Methan und Lachgas auf das Klima deutlich schneller und nachhaltiger als CO2.
  • Schließlich beziehen die Autoren des Worldwatch Institute WWI zusätzlich die Klimaschädigungen ein, die wegen unterlassener Wiederaufforstung nicht wieder korrigiert werden.

Nimmt man alle Positionen zusammen, dann ist ein Wert von 51 Prozent für den Treibhausgaseffekt durch Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion realistischer. Man muss davon ausgehen, dass der durch Fleisch- und Fischkonsum (eine nicht-vegetarische Ernährung) verursachte CO2-Ausstoß (incl. Methan und Lachgas) deutlich über 40% der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen liegt, also mehr als doppelt so hoch ist, als von der FAO bislang angenommen.

Unsere Ernährungsgewohnheiten haben also einen wesentlich größeren Einfluss auf das globale Klima als bisher angenommen. Wir müssen Einfluss nur verdeutlichen und dann die entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen. Nicht umsonst fordert die UN schon seit langer Zeit den Umstieg auf eine vegane Ernährung (Link), nicht nur des Klimawandels wegen.

Auf Kritik an dieser Veröffentlichung wird seitens der Autoren hier eingegangen.

Video

Gabel statt Skalpell – nun auf YouTube

Der Dokumentarfilm „Gabel statt Skalpell – Gesünder leben ohne Fleisch“ ist nun auch wieder bei YouTube zu sehen. Der Film belegt eindrucksvoll einen Zusammenhang zwischen einer hauptsächlich auf Fleisch und Milchprodukten basierender Ernährung und Degenerationskrankheiten wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Störungen. Ein wirklich großartiger Film über die Vorteile einer pflanzlichen / veganen Ernährung (die Vorteile für Tier und Umwelt müssen wir euch ja nicht noch gesondert erklären):