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COP21 Klimagipfel – letzte Chance verspielt

Weltweit überschlagen sich die Meldungen zum Abschluss des heurigen Klimagipfels in Paris:

Historische Einigung„, „Das Wunder von Paris„, „Wendepunkt„, „Hoffnung für Mutter Erde

und ähnlich lauten die Überschriften der Tageszeitungen und Online-Magazine. Die Welt ist also gerettet, endlich! Doch leider ist dem nicht so. Es gibt viele Gründe skeptisch, ja sogar pessimistisch zu sein. Paul Watson von Sea Shepherd hat hier dazu ein paar gute Argumente geliefert, um dem Ganzen zu misstrauen:

So wurden auch auf dem heurigen Klimagipfel tatsächlich wieder Burger aus Rinderfleisch oder auch überfischte Meerestiere während eines Ozean-Diskussionsforums zum Verzehr gereicht. Ein Hohn wenn man bedenkt, dass je nach Studie zw. 18-51% der gesamten Treibhausgasemissionen durch die landwirtschaftliche Tierhaltung (siehe auch dazu diese Doku) erfolgen und selbst UN Wissenschaftler schon vor Jahren empfohlen haben, die Menschheit auf eine hauptsächlich pflanzliche Ernährung umzustellen.

Ebenso bemängelt er zurecht, dass das Thema Tierhaltung im Abschlusstext gar nicht vorkommt (wie übrigens auch Worte wie „Kohle“ oder „fossile Brennstoffe“ und auch ein Blick auf die Agenda von COP21 zeigt, dass das Thema praktisch nicht behandelt wurde. Man ignoriert also einen wichtigen Teil der Klimarechnung völlig und hält dazu die Abschlusserklärung äußerst vage und vor allem: er ist zwar völkerrechtlich bindend, aber sieht keinerlei Konsequenzen vor, wenn er nicht umgesetzt wird.

Es handelt sich also um eine rein freiwillige Selbstverpflichtung ohne Strafkatalog oder ähnliches. Wie gut solche Selbstverpflichtungen, die dazu auch noch viel Geld kosten, in einer vom Kapitalismus dominierten Welt funktionieren, haben wir schon oft genug gesehen – nämlich gar nicht. So wurden auch schon vorherige Selbstverpflichtungen die aus Klimagipfeln hervorgingen meistens gar nicht oder nur sehr unzureichend eingehalten.

Es darf also ernsthaft bezweifelt werden, dass die COP21-Abschlusserklärung das Papier wert ist, auf der sie geschrieben wurde. Damit wurde die letztmögliche Chance verspielt, die Weltwirtschaft auf einen Rettungskurs für das Klima zu verpflichten. Es wird bei leeren Versprechungen bleiben, die Treibhausgaskonzentration wird weiter ansteigen und das Weltklima auf lange Zeit dauerhaft erwärmt – mit fatalen Folgen für viele Menschen und andere Tiere auf dieser Welt.

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Von Halal-Fleisch und verlogener Doppelmoral

Die aktuelle Diskussion um die Lebensmittelkette Spar und ihren Rückzug aus dem Angebot für Halal-Fleisch verdeutlicht anschaulich, mit welcher Doppelmoral (und teilweise auch latentem wie offenen Rassismus) viele Menschen immer noch durch die Welt gehen. Aber was war geschehen?

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Der Stein des Anstoßes

Spar hatte angekündigt, zukünftig auch Halal-Fleisch ins Sortiment aufzunehmen. Eine angesichts der großen Flüchtlingsströme und zu erwartenden hohen Anzahl an Menschen mit muslimischen Glauben, die für lange Zeit hier bleiben werden, betriebswirtschaftlich vernünftige Entscheidung für eine Supermarktkette, die bereit Fleisch anbietet. Diese Ankündigung wurde prompt vom rechten Rand als Steilvorlage genutzt um mal wieder dem Lieblingshobby, der Hetze gegen andere Menschen, nachzugehen. Diesmal sogar mit einem idealen Feigenblatt, dem Tierschutz. Wer kann schon gegen Tierschutz sein?

So lässt es sich also genüsslich hetzen und auch Menschen die vielleicht mit den Rechten nichts am Hut haben, aber einen latenten Rassismus in sich tragen oder einfach nicht wissen, wie Fleisch sonst „hergestellt“ wird, sind mit auf den Zug aufgesprungen und haben auf der Facebook Seite von Spar einen ordentlichen Shitstorm losgelassen.

Nun fragt man sich als denkender Mensch: wie kann es sein, dass Menschen, die selber das Fleisch anderer Tiere essen, auf einmal so gegen das Anbieten von Fleisch sind? Denn Halal-Fleisch unterscheidet sich bis auf einen Betspruch bei der Schlachtung nicht von dem, was die restliche Bevölkerung sich einverleibt. Es wird genauso unter größter Tierqual „produziert“, es werden lebende Tiere ebenso ausgeblutet, die (in diesem Fall) vorher mit CO2 betäubt wurden. Das klingt übrigens doch recht human, oder? Immerhin werden sie betäubt, bevor man ihnen die Kehle aufschlitzt. Nein, ist es nicht, wie aktuelle verdeckte Aufnahmen des VgT beweisen:

Insofern ist es bestenfalls verlogene Doppelmoral, wenn sich Fleischesser über andere Fleischesser aufregen. Sie nehmen eine andere Schlachtmethode zum Anlass, um ihren Frust auf „die Ausländer“ und alles Andersartige loszuwerden, oder manche einfach nur aus Unwissenheit über die Methoden mit denen „ihr“ Fleisch gewonnen wird. Diesen und auch allen anderen Kritikern empfehle ich nochmals tief in sich zu gehen…

Der Verfassungsschutz, der die Verfassung nicht schützt

Aufgrund der Vorkommnisse im Burgenland (Mensdorff-Pouilly veranstaltet wilde Ballerei im Gatter, welche dann durch den Verfassungsschutz geschützt wird) habe ich mir erlaubt per E-Mail einige Fragen ans BMI bzw. Frau Mag. Mikl-Leitner zu stellen:

Sehr geehrte Frau Mag. Mikl-Leitner,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin gerade auch angesichts der jüngsten Terroranschläge in Ägypten und Frankreich sehr irritiert über das Verhalten des Chefs für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung im Burgenland, Herrn Franz Schmickl. Dieser hat eine wahrscheinlich tierschutzwidrige Jagdveranstaltung des Lobbyisten Mensdorff-Pouilly am 7. November durch mehrere Mannschaften und Polizisten in Zivil schützen lassen, während die reale Bedrohung durch den islamistischen und rechtsextremen Terrorismus nachweislich zunimmt.

Zudem ist mir nicht ganz klar, warum der oberste Verfassungsschützer den Tierschutz mit den Worten „ist mir egal“ belegt und nicht seiner Pflicht nachkommt dieses Gesetz in Verfassungsrang zu vollziehen, sondern durch weiträumige Sperrungen um diese Privatveranstaltung sogar verhindert, dass im öffentlichen Raum Verstöße gegen den Tierschutz dokumentiert werden können.

Ich halte fest: Herr Schmickl als Leiter des Verfassungsschutzes stellt Personalressourcen statt zur Bekämpfung des Terrorismus oder der Einhaltung von Gesetzen im Verfassungsrang lieber zum Schutz einer privaten Schießveranstaltung ab, welche gegen eben jenes Gesetz verstößt.

Wie also kann ein Verfassungsschützer genau das Gegenteil von dem tun, für das er ins Amt bestellt wurde? Was gedenken Sie zu tun, damit Herr Schmickl seinen von Amts wegen bestellten Aufgaben nachkommt und keine Ressourcen zur Bekämpfung verfassungsmäßiger Rechte einsetzt, sondern ausschließlich zum Schutz derselben?

Mit freundlichen Grüßen

Hotel Kolping in Linz mit veganem Mittagsmenü

Das Kolping SB-Restaurant reagiert auf die verstärkte Nachfrage seiner Kunden nach veganen Menüs. Jeden Mittwoch gibt es nun ein günstiges veganes Mittagsmenü am Speiseplan (auch zum Mitnehmen). Der Speiseplan ist hier zu finden.

Restaurant geöffnet Mo-Fr 11.30 – 14.00 Uhr, Gesellenhausstraße 5, 4020 Linz

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Auch Vegetarier müssen sterben – Warum ein gesunder Lebenswandel unumgänglich ist

Kommentar von Florian Ignaz Eßl

“Auch Nichtraucher müssen sterben”, betitelte Friedrich Torberg 1978 sein Plädoyer gegen die Kritik am ungesunden Lebensstil. Kurz vor seinem Lebensende erinnerte der damals 70-jährige Autor seine Leser an die eigene Sterblichkeit und zählte dabei selbstsicher seine zahlreichen über die Jahre angesammelten Beschwerden auf, um anschließend mit Polemik der Intoleranz entgegen zu treten. Der Genuss sei lebensnotwendig und für ihn unverzichtbar, rechtfertigte er sich, und wehrte sich damit entschlossen und zu Recht gegen die Bevormundung durch seine Ärzte.

Letztendlich kennt jeder Raucher die Risiken des Tabakkonsums und trifft mit seinem Handeln eine bewusste Entscheidung. Wir leben in einer freien Gesellschaft. Ich selbst, als sehr gesundheitsbewusster und liberaler Mensch, möchte auch niemandem meine Sichtweise aufzwingen. Wer im Alter und unter erkennbaren Beschwerden noch so sehr seinen Lebensstil verteidigt, hat meiner Meinung nach einen Orden verdient, auch wenn sich die Krankenkassen dabei weniger freuen dürften.

Jedem das seine?

Nun hat die WHO am Montag die Wurst als krebserregendes Lebensmittel in seiner Kategorierung dem Tabak gleichgestellt und ein Aufschrei ging durch die westliche Welt. Bekennende Fleischesser gingen augenblicklich in Verteidigungsposition, kommentierten in Social Media was das Zeug hält. Es erinnert mich stark an diese Raucherdebatte, nur ist der Konsum von verarbeiteten Fleischprodukten, wenn man es genau nimmt, doch etwas differenzierter zu betrachten. Während die Wahl zu Rauchen meist in der Jugend stattfindet, wird einem das Wurstessen bereits von kleinauf angewöhnt. Wer kennt nicht die Bärchenwurst, die versucht mit ihrer Form Kinder anzusprechen?

Das sei alles nicht ernst zu nehmen, kommentieren die Polemiker. Was könne mann dann noch essen? Das sei alles Propaganda der Vegan-Lobby, wird überspitzt behauptet.
Auch Landwirtschafts- und Umwelt- (sick!) Minister Andrä Rupprechter meldet sich über seinen Twitter-Account zu Wort:

“Krebswarnung b Fleisch&Wurst ist Farce&verunsichert nur d Menschen!Österreichs Wurst ist und bleibt die Beste!AR ;)“

Ich habe seit meinem Entschluss vor vier Jahren, mich vegan zu ernähren, keine derart virale Meldung über die Gesundheitsrisiken von tierischen Produkten erlebt. Während derartige Nachrichten meist schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden, wird diese immer noch intensiv diskutiert und jetzt noch mehr angeheizt:

Gestern wurde eine neue Ernährungsstudie präsentiert, welche in Zusammenarbeit des WWF und der Wirtschaftsuniversität Wien enstand. Dieser Studie zufolge ist Österreich, was den Konsum von tierischen Produkten betrifft, das ungesündeste Land der Europäischen Union.

Besonders sticht hervor:

  • Ein Brutto-Lebensmittelverbrauch von 106 kg Fleisch pro Kopf, Spitzenreiter in der EU. Tatsächlich verzehrt werden davon aber nur 65,3 kg.
  • 29 % mehr Fleisch, 27 % mehr Zucker, 80 % mehr tierische Fette… als der durchschnittliche EU-Konsument

Diese Zahlen sind nicht wirklich neu. Das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht alle paar Jahre den österreichischen Ernährungsbericht. Die dort veröffentlichten Resultate sind ähnlich: Zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel Salz, zu hoher Fleisch- und Wurstkonsum.
Aber das Ganze ist, wie man meiner Einleitung bereits entnehmen kann, auch nicht der Standpunkt meines Kommentars. Neuartig an dieser Studie ist, dass sich jetzt eine Umweltschutzorganisation mit der Thematik Ernährung befasst.

Die Untersuchung des WWF beschäftigt sich zusätzlich mit einem in dieser Diskussion meist unbeachteten und viel zu unterschätzten Thema: Die Auswirkung der Ernährung auf das Klima und die Umwelt. Eine Problematik, die seit letztem Jahr durch die Dokumentation Cowspiracy vermehrt Aufmerksamkeit erhielt. Dieser Film kritisierte scharf den Mangel an Aufklärung zu den Umwelteinflüssen der Viehwirtschaft und stellte anhand der präsentierten Fakten Organisationen wie Greenpeace & WWF in die Ecke.

Ein paar der wichtigsten Fakten aus der WWF-Studie:

  • Tierische Produkte machen 23 % des Konsumvolumens von Nahrungsmitteln aus, sind jedoch für 67 % der nahrungsmittelbedingten Treibhausgasemissionen Österreichs verantwortlich.
  • Der Konsum von Fleisch- und Milchprodukten trug seit 1961 zu 68 % zu den gestiegenen THG-Emissionen in Österreich bei
  • Der globale Fußabdruck einer einzelnen Nation: Der Bedarf an Ackerland übersteigt die heimisch verfügbare Anbaufläche um 35%, das sind insgesamt 1,6–1,8 Millionen Hektar. Wie aus Berichten der AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit) bekannt ist, ist die Produktion tierischer Lebensmittel in Österreich hochgradig von Überseeimporten abhängig und würde ohne diese zusammenbrechen (ca. 500.000 t importierter Sojaschrot jährlich vs. 96.000 t heimisch produzierter Soja in 2010).
THG-Emissionen der aktuellen und der "gesunden" Ernährung

Als “Gesunde Ernährung” gilt in diesem Zusammenhang die Ernährungsempfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit. Ein Modell, welches immer noch stark auf den Konsum tierischer Lebensmittel setzt. Weitere Einsparungsmöglichkeiten durch eine vegetarische oder gar eine rein pflanzliche Ernährung werden im Vergleich leider nicht genannt. Quelle: WWF Ernährungsstudie

“Auch Vegetarier müssen sterben”, lautet das Leitmotto der WHO-kritischen Kommentare. Schließlich weiß kein gesunder Mensch, wie er/sie am Ende von der Welt scheiden wird und Torberg’s Philosphie der kompletten Konsum-Eigenverantwortung scheint gerade unter uns Österreichern fest verankert.

Nur steht eben leider nicht nur die eigene Gesundheit auf dem Spiel.
Ja, vermutlich ist die Weltgesundheitsorganisation in ihrer Entscheidung auch politisch motiviert und verfolgt eine Agenda.
Ja, die statistische Wahrscheinlichkeit von Darmkrebserkrankungen ist ein, verglichen mit anderen Krebsfaktoren in der Liste, eher schwaches Argument.
Doch schon in 2010 drängten die Vereinten Nationen auf einen globalen Schritt in Richtung einer fleisch- und milchfreien Ernährungsweise. Dieser Schritt sei wichtig, um die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen und zukünftigen Hunger auf der Welt zu verhindern.

Da drängt sich die Frage auf: Ist der Genuss es wirklich wert, diese Umwelteinflüsse zu ignorieren?

Links:

WWF – ACHTUNG: HEISS UND FETTIG – KLIMA & ERNÄHRUNG IN ÖSTERREICH :
http://www.wwf.at/de/ernaehrungsstudie/

BMG – Der Österreichische Ernährungsbericht 2012:
http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Rezepte_Broschueren_Berichte/Der_Oesterreichische_Ernaehrungsbericht_2012

Cowspiracy auf Netflix: 
https://www.netflix.com/at/title/80033772